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17.03.2009

«Kommst du an den See?» hat Kunstwettbewerb gewonnen

«Kommst du an den See?» hat Kunstwettbewerb gewonnen
Gelbe Fragesätze werden gemäss dem Siegerprojekt auf die Weinstrasse gemalt.

Im September 2008 lancierte die Kunstkommission Kreuzlingen den Wettbewerb "Entdeckung des Stadtraums" an der Weinstrasse. Die Jury hat sich für die Arbeit «Kommst du an den See?» der zwei jungen Zürcher Künstlerinnen Gabriela Gründler und Salome Kuratli entschieden. Alle eingereichten Projekte sind am 21. März 2009 im Dreispitz Sport- und Kulturzentrum öffentlich ausgestellt.

Gewonnen hat das Projekt «Kommst du an den See?». Es ist relativ einfach zu realisieren, aber nachhaltig in der Wirkung. Die beiden Zürcher Künstlerinnen Gabriela Gründler und Salome Kuratli bringen auf der Strasse Fragesätze an. Jeden Tag werden die Anwohner beim Passieren der Fragen angeregt, über diese nachzudenken. Was einem an den einen Tag möglicherweise noch nichts sagte, spricht einen an einem anderen Tag plötzlich an, weil man es mit seiner eigenen Lebenswirklichkeit verbinden kann. Die Fragen beziehen sich auf den konkreten Ort wie auch auf Übergeordnetes, für jeden ist etwas dabei. Da das ganze Quartier davon erfasst wird, können die Bewohner von sich sagen: Wir wohnen in der Fragenstrasse - und das schafft Identität.

Der Vorschlag, gelbe Fragesätze auf der Strasse anzubringen, enthält die Möglichkeit, das betroffene Quartier genau zu umreissen. Es stiftet allein von der räumlichen Umgrenzung Identität. Die Anbringung der Fragen ist genau auf den jeweiligen Ort bezogen und keineswegs willkürlich. Dabei gliedern sich die Fragen in zwei Gruppen: einfache Alltagsfragen und philosophische Fragen, die jedoch nie abgehoben daherkommen, sondern von jedem verstanden werden können. Bewusst haben sich die Künstlerinnen für die Sprache Deutsch entschieden – damit wird nicht nur dem Wunsch nach Integration Rechnung getragen, sondern auch mögliches Konfliktpotential vermieden, das durch Auslassung einer Sprache in diesem von vielen Völkergruppen bewohnten Quartier entstehen könnte. Interessant ist auch die Wahl der Farbe Gelb für die Fragen: traditionell ist diese Farbe Parkplätzen vorbehalten – in diesem Fall steht Gelb als „Parkplatz“ für Fragen.

Die Kunstkommission der Stadt Kreuzlingen wird die zwei ausgewählten Künstlerinnen bei der Umsetzung ihres Projektes an der Weinstrasse begleiten. Über allfällige begleitenden Aktionen, im Sinne einer Bürgerbeteiligung, wird in der Presse oder auch direkt vor Ort informiert. Es ist geplant, dass das Projekt im Laufe des kommenden Septembers abgeschlossen werden kann und mit einem kleinen Quartierfest eingeweiht wird.

28 Projekte eingereicht
Es haben sich 28 Künstler und Künstlerinnen aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland an diesem Wettbewerbsverfahren beteiligtet und mit ihren verschiedenen Lösungsansätzen für lebhafte Diskussionen im Beurteilungsgremium gesorgt. Nebst dem Sieger-Projekt wurden weitere Projekte rangiert, welche in Bezug auf die künstlerische Qualität und den Bezug zum gewählten Ort in weiten Teilen gefallen konnten:

Den zweiten Rang erhielt das Projekt "Sehnsucht Süden" von Markus Brenner aus Konstanz. Den dritten Rang belegt die Künstlerin Mariann Landolt aus Zollikon mit der Arbeit " Gefunden". Den vierten Rang erhielten die Künstlerinnen Seraina Dejaco und Maria Escarabajal, Niederneunforn mit dem Projekt "Videoinstallation: Weinstrasse - do you have a love story?". Der fünfte Rang ging an Christoph Fischer, Luzern mit "Gegenüber und nebenan".

Darüber hinaus möchte die Jury im Sinne einer lobenden Anerkennung folgende zwei Projekte speziell erwähnen "Alle Vögel sind schon davon" von Sabine Schlatter und Benjamin Egger aus Zürich und das Projekt "Stadtperiskop" von David Tschopp, Zürich.

Die eingereichten Projekte wurden von einer sechsköpfigen Jury bewertet: Barbara Stark, Martin Mäder, Christian Schneeberger und Bernard Roth vertraten die Kunstkommission Kreuzlingen, Peter Keller vertrat den Quartierverein und Stefan Kuhl, Vertreter der Jugendorganisation. Nach den folgenden Kriterien wurde in zwei Sitzungen das Siegerprojekt ausgewählt; Machbarkeit, Originalität, Authentizität, Ortsbezug, Komplexität, Öffentlichkeit, Stimmigkeit.

Kunst in der Stadt Kreuzlingen
Die Stadt Kreuzlingen besitzt mit ihren Kunst-Kreiseln, dem Signer-Brunnen, den Tarot-Figuren von Johannes Dörflinger, dem Josephson-Relief auf dem städtischen Friedhof und dem Leuchtenobjekt von Volkhart Kempter am Hafen bereits zeitgenössische künstlerische Werke im öffentlichen Raum. Dabei haben die Diskussionen, die sich mit der Realisierung dieser Skulpturen und Installationen verbanden, deutlich gemacht, dass die öffentliche Auseinandersetzung mit einer ortsbezogenen Kunst sowohl für die Kunst als solche als auch für den betroffenen Aussenraum höchst fruchtbar ist. Die Bürgerinnen und Bürger werden angeregt, den öffentlich-urbanen Raum differenzierter wahrzunehmen und zugleich stärker als einen demokratisch gedachten Raum zu begreifen. Daneben eröffnet sich die Möglichkeit, die Öffentlichkeit ausserhalb des Museums an die Moderne heranzuführen und Interesse für aktuelle Entwicklungen in Kunst und Gesellschaft zu wecken.

Die Kunstkommission der Stadt Kreuzlingen möchte mit dem Projekt "Die Entdeckung des Stadtraumes" diesen fruchtbaren Dialog zwischen Öffentlichkeit und Kunst fortsetzen. Künstlern soll die Möglichkeit gegeben werden, in einem vorgegebenen städtischen Bereich Vorschläge für künstlerische Interventionen zu erarbeiten und zu realisieren. Innerhalb des definierten Bereichs sollen Art und Ort des künstlerischen Eingriffs frei bestimmbar sein. Das mögliche Spektrum kann sowohl bildhauerische, malerische und installative Arbeiten, die dauerhaft mit einem Ort verbunden sind, als auch projektbezogene oder aktionistische Interventionen, die als Ereignisse auf Beteiligung angelegt sind, umfassen.

Projektausstellung
Alle eingereichten Projekte werden am 21. März 2009 von 11.00 bis 16.00Uhr im Foyer des Dreispitz Sport- und Kulturzentrum in Kreuzlingen öffentlich ausgestellt. Hier können alle Interessierten Einblick nehmen in den Jurybericht.

 

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