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15.08.2006
Der Grenzzaun fällt - und macht der Kunstgrenze Platz
Der Grenzzaun auf Klein Venedig ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Grenzzaun, der zwischen den beiden Städten im Zweiten Weltkrieg errichtet wurde. In dieser Zeit gab es Klein Venedig noch nicht, oder genauer: es gab hier nur Wasser. Das Gebiet wurde erst in den fünfziger und sechziger Jahren aufgeschüttet, indem es als Müllkippe ausgewiesen und am Ende mit einer Erdschicht bedeckt wurde. Die Aufschüttung wurde 1968 abgeschlossen. 1973 wurde dieser Grenzabschnitt dann mit dem Zaun und dem Seetor gesichert.
Von der Grenze zur „Kunstgrenze“
Im Jahr 2004 starteten Oberbürgermeister Frank und Stadtammann Bieri eine gemeinsame Initiative für den Abriss des Grenzzauns zwischen Deutschland und der Schweiz auf Klein Venedig. Es geht um einen etwa 280 Meter langen Streckenabschnitt von der Konstanzer Bucht aus, der gut einsehbar ist. Die Grenz- und Zollbehörden signalisierten Zustimmung, unter der Voraussetzung, dass eine andere Markierung den Verlauf der Landesgrenze sichtbar macht. So entstand die Idee, den Grenzverlauf mit Kunstobjekten zu kennzeichnen.
Der Konstanzer Künstler Johannes Dörflinger hat die Idee aufgegriffen und weiter entwickelt. Seine Kunstgrenze umfasst 22 Skulpturen, die in abstrahierter Form die Trümpfe des Tarot darstellen. 18 der Skulpturen stehen direkt auf der Grenze und jeweils 2 auf deutschem und Schweizer Gebiet. Die Skulpturen bestehen aus Edelstahl und erhalten eine hochwertige, beschichtete Oberfläche in rötlicher Farbe. Der Sockel besteht ebenfalls aus Edelstahl, in silberner Farbe. Sockel und Skulptur erreichen eine Gesamthöhe von 8 Metern. Die Tarot-Figuren wirken trotz dieser Dimensionen leicht und durchlässig und ermöglichen dem Betrachter eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven.
Die Finanzierung der Skulpturen erfolgt durch die Johannes-Dörflinger-Stiftung (Kreuzlingen). Die Stiftung übernimmt die Kosten der Skulpturen, der Fundamente und der Beleuchtung. Der Gesamtwert der Investitionen, die die Stiftung finanziert, beläuft sich auf rund 1 Million Franken. Für die Entfernung des Grenzzauns, Geländearbeiten und die Entsorgung des Aushubmaterials steuern die Städte Konstanz und Kreuzlingen gemeinsam rund 100'000 Franken bei.
Bis zum Spätherbst werden die Skulpturen beim Kreuzlinger Metallbau-Unternehmen Neuweiler AG gefertigt und dann mit einem Richtfest installiert. Die "grosse" Einweihung der Kunstgrenze erfolgt bei einem grenzüberschreitenden Fest Anfang Mai 2007.
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