Kunstprojekt «Die Entdeckung des Stadtraumes»

Kunstprojekt «Die Entdeckung des Stadtraumes»

Die Stadt Kreuzlingen besitzt mit ihren Kunst-Kreiseln, dem Signer-Brunnen, den Tarot-Figuren von Johannes Dörflinger, dem Josephson-Relief auf dem städtischen Friedhof und dem Leuchtenobjekt von Volkhart Kempter am Hafen bereits zeitgenössische künstlerische Werke im öffentlichen Raum. Dabei haben die Diskussionen, die sich mit der Realisierung dieser Skulpturen und Installationen verbanden, deutlich gemacht, dass die öffentliche Auseinandersetzung mit einer ortsbezogenen Kunst sowohl für die Kunst als solche als auch für den betroffenen Aussenraum höchst fruchtbar ist. Die Bürgerinnen und Bürger werden angeregt, den öffentlich-urbanen Raum differenzierter wahrzunehmen und zugleich stärker als einen demokratisch gedachten Raum zu begreifen. Daneben eröffnet sich die Möglichkeit, die Öffentlichkeit ausserhalb des Museums an die Moderne heranzuführen und Interesse für aktuelle Entwicklungen in Kunst und Gesellschaft zu wecken.

Die Kunstkommission der Stadt Kreuzlingen möchte mit dem Projekt «Die Entdeckung des Stadtraumes» diesen fruchtbaren Dialog zwischen Öffentlichkeit und Kunst fortsetzen. Künstlern soll die Möglichkeit gegeben werden, in einem vorgegebenen städtischen Bereich Vorschläge für künstlerische Interventionen zu erarbeiten und zu realisieren. Innerhalb des definierten Bereichs sollen Art und Ort des künstlerischen Eingriffs frei bestimmbar sein. Das mögliche Spektrum kann sowohl bildhauerische, malerische und installative Arbeiten, die dauerhaft mit einem Ort verbunden sind, als auch projektbezogene oder aktionistische Interventionen, die als Ereignisse auf Beteiligung angelegt sind, umfassen.

Projekt «Kommst du an den See?»

Im September 2008 lancierte die Kunstkommission Kreuzlingen den Wettbewerb «Entdeckung des Stadtraums» an der Weinstrasse. Die Jury hat sich für die Arbeit «Kommst du an den See?» der zwei jungen Zürcher Künstlerinnen Gabriela Gründler und Salome Kuratli entschieden.

Gewonnen hat das Projekt «Kommst du an den See?». Es ist relativ einfach zu realisieren, aber nachhaltig in der Wirkung. Die beiden Zürcher Künstlerinnen Gabriela Gründler und Salome Kuratli bringen auf der Strasse Fragesätze an. Jeden Tag werden die Anwohner beim Passieren der Fragen angeregt, über diese nachzudenken. Was einem an den einen Tag möglicherweise noch nichts sagte, spricht einen an einem anderen Tag plötzlich an, weil man es mit seiner eigenen Lebenswirklichkeit verbinden kann. Die Fragen beziehen sich auf den konkreten Ort wie auch auf Übergeordnetes, für jeden istetwas dabei. Da das ganze Quartier davon erfasst wird, können die Bewohner von sich sagen: Wir wohnen in der Fragenstrasse - und das schafft Identität.
 
 Der Vorschlag, gelbe Fragesätze auf der Strasse anzubringen, enthält die Möglichkeit, das betroffene Quartier genau zu umreissen. Es stiftet allein von der räumlichen Umgrenzung Identität. Die Anbringung der Fragen ist genau auf den jeweiligen Ort bezogen und keineswegs willkürlich. Dabei gliedern sich die Fragen in zwei Gruppen: einfache Alltagsfragen und philosophische Fragen, die jedoch nie abgehoben daherkommen, sondern von jedem verstanden werden können. Bewusst haben sich die Künstlerinnen für die Sprache Deutsch entschieden – damit wird nicht nur dem Wunsch nach Integration Rechnung getragen, sondern auch mögliches Konfliktpotential vermieden, das durch Auslassung einer Sprache in diesem von vielen Völkergruppen bewohnten Quartier entstehen könnte. Interessant ist auch die Wahl der Farbe Gelb für die Fragen: traditionell ist diese Farbe Parkplätzen vorbehalten – in diesem Fall steht Gelb als «Parkplatz» für Fragen. 

Audio-Performance vom Strassenfest am 14. August 2009

Die Arbeit wurde am 14. August 2009 mit einem Strassenfest der Bevölkerung übergeben. Die Performance von Habib Asal dokumentiert und reflektiert diesen Anlass sowie die Reaktionen der Kunstinteressierten und der Anwohner auf die künstlerische Intervention. Bitten klicken Sie auf untenstehenden Link.

Performance von Habib Asal als mp3-Datei und als wav-Datei.

Weinstrassen-Fest am 29. Mai 2010

Der Quartierverein Kurzrickenbach, die Arbeitsgemeinschaft für Migration und die Stadt organisierten gemeinsam mit den Anwohnern der Weinstrasse ein Fest. Zu den Impressionen.

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