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Geschichte

Junge Stadt mit altem Namen

Die Grenzstadt Kreuzlingen entstand in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts durch den Zusammenschluss der Gemeinden Kreuzlingen-Egelshofen mit Kurzrickenbach (1927) und Emmishofen (1928). 1947 wurde Kreuzlingen mit der Registrierung der 10'000. Einwohnerin auch statistisch zur Stadt. 

Ihren Namen hat die Stadt vom Augustinerstift «crucelin», das Bischof Ulrich I. von Konstanz im Jahre 1125 vor den Toren der mächtigen Bischofsstadt gegründet hatte. Es befand sich zunächst auf dem Bellevue-Areal, wurde jedoch 1633 im Nachgang zur schwedischen Belagerung von Konstanz zerstört und 1650 am heutigen Ort neu aufgebaut. Seit der Säkularisierung 1848 befindet sich das thurgauische Lehrerseminar in den Klostergebäuden. 

Die drei Dörfer

Die Stadt Kreuzlingen hat ihre Wurzeln in drei Dörfern, die am Fusse des Seerückens um die Einschnitte von Bachtobeln entstanden. 830 wurde Rihinbah (Kurzrickenbach) erstmals urkundlich erwähnt, 1125 folgte Eigolteshoven, 1159 Eminshoven. Inzwischen sind die Weiden und Rebberge zwischen den alten Dorfkernen mit Wohnquartieren und Industrie- und Gewerbebetrieben überbaut. Dennoch bereitet die Schaffung eines Zentrum Städteplanern und Behörden bis heute einiges Kopfzerbrechen. Die alte Struktur der drei Dörfer hat sich in den Ortsbildern erhalten. Während Emmishofen mit seinen Schlössern und ehemaligen Landsitzen vornehm erscheint, dominieren in Egelshofen die Gewerbebauten und hat sich Kurzrickenbach im Kern seinen ländlichen Charakter bewahrt.

Stadt an der Grenze

Nach der Eroberung durch die Eidgenossen 1460 wurde der Thurgau zum Grenzraum mit eigenen politischen Strukturen. Der Wiener Kongress von 1815 brachte eine Neuordnung für Europa, welche der Landesgrenze eine neue Bedeutung gab. 1818 entstand in Kreuzlingen das erste Wach- und Zollhaus. Der kleine klösterliche Marktflecken entwickelte sich zum Zoll- und Handelsplatz.

Die Beziehung zur Stadt Konstanz, der Austausch von Waren, Arbeitskräften und Dienstleistungen über die Grenze, hat für die Geschichte Kreuzlingens seit jeher grösste Bedeutung. Der Thurgau bildete das natürliche Hinterland für Konstanz. Die Thurgauer Milchbauern versorgten die Stadt mit ihren Produkten, während das Konstanzer Ladenangebot auf die Kundschaft aus den Schweizer Dörfern ausgerichtet war. Die kaufte in Konstanz Werkzeuge, Haushaltsbedarf, Kleider und Schuhe, während die Konstanzer in Kreuzlingen günstig Brot, Mehl, Teigwaren, Zucker, Kaffee und Zigarren besorgten.

Aufschwung mit der Eisenbahn

1871 und 1875 wurden die Bahnverbindungen nach Romanshorn und Etzwilen eingeweiht. Mit der Erschliessung durch die Eisenbahn und dem Bau der zwei Bahnhöfe erlebte Kreuzlingen einen Boom und die gesamte Region einen Aufschwung. Konstanz profitierte vom Schweizer Kapitalexport und Filialgründungen, Kreuzlingen von den Vorteilen der Grenzlage, den Arbeitskräften und Märkten. Das Ortsbild wandelte sich vom Dorf zur «Gartenstadt». In den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts entstand die Hauptstrasse zwischen dem Kloster, Egelshofen und Konstanz. 1862 erhielt die Hauptstrasse ihre erste Beleuchtung, 1872 wurde sie mit einem Trottoir zum «Boulevard» ausgebaut.

Der Bau der Konstanzerstrasse zwischen Emmishofen und Konstanz bildete mit der Hauptstrasse den Rahmen des Gebietes, das während des Aufschwungs mit Wohn- und Gewerbebauten besiedelt wurde. Als politische Folge der raschen Entwicklung wurde das mit Egelshofen vereinte Kreuzlingen 1874 anstelle von Gottlieben zum Bezirkshauptort. 1911 wurde unter finanzieller Beteiligung der Stadt Konstanz die Mittelthurgau-Bahn vollendet. Das Wachstum hielt bis zum Ersten Weltkrieg an.

Grenzschliessung und Folgen

Die Schliessung der Grenze mit Beginn des 1. Weltkrieges führte für Kreuzlingen und Emmishofen zu einer zunehmenden Unabhängigkeit von «der Stadt» Konstanz, aber auch wirtschaftliche Einbussen. Die wirtschaftlichen Einschränkungen durch Handels- und Zollpolitik blieben nach dem Krieg bestehen. Dennoch ist zu berücksichtigen, dass die jahrelangen engen Beziehungen viele familiäre Verflechtungen zur Folge hatten. Viele Konstanzer hatten um die Jahrhundertwende Unternehmen in Kreuzlingen gegründet, manche wohnten auch hier und hatten in Schweizer Familien geheiratet.

Für den Alltag der Kreuzlinger und Konstanzer bedeutete die neuerliche Absperrung der Grenze im 2. Weltkrieg einen scharfen Einschnitt. Kontakte zu Verwandten und Freunden waren jahrelang nicht möglich. Ein Grenzzaun mit Stacheldraht trennte Kreuzlingen und Konstanz. Während und nach dem Krieg war die Grenzstadt Austauschort für Kriegsgefangene. Bei Kriegsende trafen sich deutsche und alliierte Unterhändler auf Kreuzlinger Boden und nahmen die «guten Dienste» des Bezirksstatthalters in Anspruch. Nach dem Krieg kamen Tausende von Kriegsgefangenen, ehemaligen Lagerinsassen und Zwangsarbeitern durch Kreuzlingen und wurden hier versorgt.

Normalisierung und Hochkonjunktur

Die Grenzschliessung während der Kriege führte langfristig zu einer Entfremdung zwischen den Menschen. 1946 gab es zwar Nothilfe-Aktionen in Kreuzlingen für die hungerleidenden Nachbarn. Auf die Dauer überwog jedoch das Misstrauen – gegenüber Deutschland, vor allem aber gegenüber «der Stadt» mit ihren Verlockungen, dem Vergnügungsviertel und dem Spielcasino.

 Die Lage an der Grenze war vorübergehend Standortnachteil, aber nicht für lange Zeit. Der unmittelbaren Nachkriegszeit folgte 1960 bis 1975 die Hochkonjunktur, die das Ortsbild von Kreuzlingen wesentlich veränderte. Zahlreiche Neubauten und sogar Hochhäuser entstanden. Im Bildungssektor hatte Kreuzlingen seit der Gründung des Lehrerseminars 1833 kantonale Bedeutung. Bereits 1893 kam eine Gewerbeschule hinzu. Seit der Gründung der Kantonsschule 1969 war das Angebot an weiterführenden Schulen vollständig. Mit der Gründung der Pädagogischen Hochschule wurde Kreuzlingen 2003 zur ersten Hochschulstadt im Kanton Thurgau.

Kreuzlingen morgen

Kreuzlingen kann heute wieder von der Grenzlage profitieren. Der Sog von Arbeitkräften in den Grossraum Zürich wird durch gut qualifizierte Grenzgänger (Hochschulen!) ausgeglichen. Die wirtschaftlichen Perspektiven für Kreuzlingen sind ausgezeichnet, nachdem bedeutende Unternehmen mit grossen Investitionen ein klares Bekenntnis zum Standort Kreuzlingen abgegeben haben. Die Kreuzlinger Wirtschaft ist breit diversifiziert, das gilt für Branchen wie für Betriebsgrössen. Grösste Arbeitgeber sind die Mowag (gepanzerte Fahrzeuge) und die Amcor Flexibles, als weitere erfolgreiche und über die Grenzen hinaus bekannte Firmen sind Strellson Menswear, Chocolat Bernrain, Ifolor und Rausch zu nennen. Dazu sind mit dem Herzzentrum Bodensee, der Klinik Seeschau und der Klinik Bellevue (Venenklinik) drei reputierte Privatkliniken in Kreuzlingen zu Hause. Die starke und aktive Präsenz aller grossen Banken, Versicherungen und Warenhäuser in Kreuzlingen unterstreicht die Bedeutung, die der Grenzstadt zugemessen wird.

Die Zukunft Kreuzlingens wird geprägt sein von der Entwicklung der eigenen Identität (und dazu gehört auch die Integration der grossen ausländischen Einwohnerschaft), der Partnerschaft mit Konstanz, der Bedeutung der Grenze im Zuge der EU-Politik der Schweiz und von der Bewältigung der verkehrs- und ortsplanerischen Aufgaben. Die Autobahn A 7 mit dem Girsbergtunnel bringt Kreuzlingen wirtschaftliche Vorteile: Sie schafft noch engere Verbindungen mit dem Grossaum Zürich. Kehrseite der Medaille sind die Probleme, die der zunehmende Verkehr aufwirft und die Gefahr der Zersiedelung der attraktiven Bodenseelandschaft.

Die überdurchschnittlichen Lebensqualität ist und bleibt ein Trumpf für Kreuzlingen. Die idyllische Lage am Bodensee, die wunderschönen Parkanlagen am See, das grüne Hinterland, attraktive Wohnquartiere, ein sehr gutes und breites Angebot an Einkaufsmöglichkeiten, Highlights in Freizeit, Bildung, Kultur und Sport: Hier lässt es sich gut leben und arbeiten.

Stadtgeschichte Kreuzlingen - das Buch

Das Buch «Kreuzlingen – Kinder, Konsum und Karrieren 1874-2000» wurde von einem Team junger Historikerinnen und Historiker aus der Region unter der Leitung von Dr. Monica Rüthers, Bottighofen, verfasst. «Kreuzlingen – Kinder, Konsum und Karrieren 1874-2000» lädt ein zu einer Reise durch die Geschichtslandschaft und zu den Menschen von Kreuzlingen. Die Reise umfasst den Zeitraum von der Gründung der Gemeinde Kreuzlingen im Jahre 1874 bis in die Gegenwart. Vertiefende Kurzbeiträge – Schlaglichter über Menschen, ausgewählte Orte oder einzelne Ereignisse – ergänzen die thematischen Kapitel.

Das Buch richtet sich an alle Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger, an alle, die es werden möchten, an die Nachbarn beidseits der Grenze.

Das Buch ist bei der Stadt Kreuzlingen im Online-Shop, im regionalen sowie im spezialisierten Buchhandel zum Preis von 59 Franken erhältlich.

Wolfau-Druck, Weinfelden. 2001. 288 Seiten, 233 Bilder. - ISBN 3-85809-124-3.

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