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An die Grenze kommen

Das Thema Grenzschliessung zwischen den Nachbarstädten Kreuzlingen und Konstanz wird in einer Doppelausstellung beleuchtet. Diese ist bis 31. Oktober 2021 am Zollplatz Kreuzlinger Tor zu besichtigen.

Die neu konzipierte historische Ausstellung am Zollplatz Kreuzlinger Tor zur Grenzschliessung im Zweiten Weltkrieg. Die Ausstellung erzählt eindrucksvolle persönliche Geschichten zur Trennung zweier Städte an der Landesgrenze. Ergänzende Inhalte zur Grenzzaunerrichtung im Frühjahr 2020 finden Sie hier auf unserer Webseite unter Ausstellungsinhalte

Die Abriegelung der Grenze zwischen den Städten Kreuzlingen und Konstanz dauerte während des zweiten Weltkrieges rund sechs Jahre.
 
Seit 1933 waren Juden in Deutschland zunehmend Diskriminierung und Entrechtung durch das nationalsozialistische Regime ausgesetzt. Um illegale Grenzübertritte zu verhindern, errichtete die Schweiz 1939 einen Zaun vom Seeufer bis zum Zollübergang Kreuzlinger Tor. 
 
Auch aus politischen Gründen Verfolgte suchten Zuflucht in der Schweiz. Doch bei weitem nicht alle, die es trotz des Zauns über die Grenze schafften, durften bleiben. Der Grenzkanton Thurgau schob auch Personen ab, deren Leben in Deutschland in Gefahr war.
 
Weil Täuschungsmanöver deutscher Truppen durch Grenzgänger schnell bekannt wurden, bauten die Deutschen im Winter 1939/40 ebenfalls einen Zaun vom Seerhein bis zum Emmishofer Zoll. So sollten die tatsächlichen Angriffspläne nicht über Informanten nach Frankreich durchsickern. 
 
Am 10. Mai 1940 begann der deutsche Westfeldzug. Die Schweiz machte ein zweites Mal mobil. Soldaten rückten in den um Kreuzlingen errichteten Festungsgürtel ein. Erst ab dem 24. August war die Grenze wieder für eine überschaubare Zahl von Berechtigten geöffnet. Für die grosse Mehrheit der Einwohner von Kreuzlingen und Konstanz dagegen war ein Grenzübertritt noch über das Kriegsende hinaus nicht möglich.

Trotz allem überquerten in diesen Jahren zahlreiche Menschen die Grenze. An sie soll hier erinnert werden.

Fast sieben Jahrzehnte, vom Zweiten Weltkrieg bis 2006 verlief auf Klein-Venedig ein Grenzzaun. Nach seinem Abbau entstand mit den Skulpturen Johannes Dörflingers eine «Kunstgrenze». Zu Fuss oder mit dem Fahrrad war der Grenzübertritt seither auf der gesamten Länge vom See bis zu den Bahngleisen möglich. Kaum jemand rechnete damit, dass sich dies wieder ändern könnte.
 
Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wurde im Frühjahr 2020 die Grenze geschlossen. Am 16. März errichtete zuerst die Deutsche Bundespolizei einen Absperrzaun auf Klein-Venedig. Um die Einhaltung eines Abstands von zwei Metern zu gewährleisten, entschied auf Schweizer Seite auch der regionale Führungsstab, am 3. April einen zweiten, parallel dazu verlaufenden Zaun aufzustellen. Nationale und internationale Medien berichteten über die kuriose Situation.
 
Entgegen der eigentlich damit verbundenen Absicht wurde der Doppelzaun erst recht zu einem Ort der Begegnung. Aufgrund der Massnahme getrennte Paare, Familien und Freunde oder einfach nur Neugierige trafen sich hier. Zettel, Bilder und Objekte wurden am Zaun angebracht und nahmen ihm seinen abschreckenden Charakter. Die Künstlerin Chiara Hofmann legte Brettspiele zwischen die Zäune und überbrückte so buchstäblich spielerisch die Barriere. Die vom Künstler Bert Binnig mit Absperrband in den Zaun eingeflochtene Schrift «KREUZTANZ» brachte die Verbindung der beiden Nachbarstädte in einem starken Bild zum Ausdruck. Vom «Zaun der Liebe» war die Rede.
 
Am 15. Mai wurden die Zäune abgebaut. Ein Teil davon wurde dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart übergeben. So ist der Zaun von 2020 bereits historisch, während die Pandemie andauert und im Winter 2020/21 erneut zu verschärften Kontaktregeln und Einschränkungen für die Nachbarn an der Grenze geführt hat. Für die Menschen in der Region bedeuteten die Wochen der Grenzschliessung im Frühjahr 2020 eine einschneidende Erfahrung.
 
Der vom Departement Gesellschaft der Stadt Kreuzlingen im November 2020 gestartete Aufruf, Texte, Bilder und Videos, die im Zusammenhang mit der Grenzschliessung entstanden sind, einzusenden, stiess auf grosse Resonanz.  Nicht alle Beiträge können an dieser Stelle gezeigt werden.