«Die Trauben sind genau süss genug»

Bei der Wümmet im städtischen Rebberg Hörnliberg kamen vergangene Woche rund eine Tonne rote Trauben zusammen. Das Team der Arbeitsintegration erwartet einen Top-Jahrgang.
09. Sept. 2026
Die orangen Kisten füllen sich schnell. Ernteschere ansetzen, Traube abschneiden, kontrollieren und weiter. Viel auszusortieren gibt es an diesem Morgen nicht. «Ich habe bis jetzt keine schlechten gefunden», sagt Stefan Luginbühl, Leiter der Arbeitsintegration der Stadt Kreuzlingen. Das macht die Wümmet in diesem Jahr besonders schnell: Innerhalb eines Tages ist rund eine Tonne gelesen, zurück bleiben leere Rebstöcke.

Dabei hat der heisse und trockene Sommer durchaus Spuren hinterlassen. Einzelne Trauben sehen etwas schrumpelig aus. Doch das ist kein Grund, sie auszusortieren. Man hat sie gezielt am Rebstock antrocknen lassen. Und der optische Eindruck täuscht: In den Mund gesteckt schmecken auch diese Beeren intensiv – und ihr Saft hinterlässt klebrige Finger. «Man muss sie probieren. Dann merkt man sofort, ob sie noch gut sind», erklärt Stefan Luginbühl. Nur wenn sie grau sind, kommen sie nicht in die Kiste.
Bild Wümmet 2
Prächtige Trauben des Jahrgangs 2026 vom Hörnliberg.
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Prächtige Trauben des Jahrgangs 2026 vom Hörnliberg.

Auch sonst hat es das Rebjahr gut gemeint mit dem Hörnliberg. Der Hagel richtete nur geringe Schäden an, Krankheiten gab es keine. «Kreuzlingen hat im Vergleich zu anderen Orten wahnsinnig Glück gehabt.» Auch unter der Trockenheit hätten die Reben dank der Nähe zum See und zum Grundwasser vergleichsweise wenig gelitten. Und von der Kirschessigfliege, die im vergangenen Jahr noch Probleme bereitete, fehlt diesmal jede Spur.

Entscheidend ist aber, was in den Früchten steckt. Zwischen 90 und 100 Grad Oechsle dürften es sein, genau im Zielbereich. «Wir sind sehr zufrieden. Dieses Jahr lesen wir die Trauben zum absolut richtigen Zeitpunkt. Sie sind genau süss genug», sagt Stefan Luginbühl. Im vergangenen Jahr musste wegen des vielen Regens und drohender Essigfäule früher geerntet werden. Der daraus entstandene Wein fiel eher leicht aus. In diesem Jahr konnten die Trauben länger reifen und mehr Zucker einlagern. «Dieses Jahr wird es einen schwereren Wein geben», ist das Team überzeugt.

Am Morgen der Weinlese sind Klientinnen und Klienten der Arbeitsintegration gemeinsam mit dem Betreuungsteam im Einsatz. Die Arbeiten im Rebberg bieten ihnen ein naturnahes Arbeitsfeld, bei dem die persönlichen Fähigkeiten gezielt eingesetzt werden können. Besonders schön sei, dass dabei ein konkretes Produkt entstehe, sagt Stefan Luginbühl: «Das Projekt macht Spass.» Am Nachmittag packen auch Mitarbeitende der Stadtverwaltung mit an – für einmal mit der Ernteschere statt am Schreibtisch.

Seit 2024 bewirtschaftet die Arbeitsintegration der Sozialen Dienste den städtischen Rebberg. Ziel ist, die Teilnehmenden auf dem Weg zurück in den ersten Arbeitsmarkt zu unterstützen. Der Rebberg ist ein zertifizierter Bio-Suisse-Betrieb; mit Ausnahme des Pflanzenschutzes werden sämtliche Arbeiten von Hand ausgeführt.

Noch am Abend geht die Ernte ins Weingut Lenz zur Kelterung. «Wir sind sehr gespannt auf den Wein», sagt Stefan Luginbühl.

  • Der Wein vom Hörnliberg

    Auf dem 65 Aren grossen Rebberg wächst Solaris für den Weisswein. Der Rotwein ist eine Cuvée aus angetrockneten Cabernet-Jura-Beeren, Léon Millot und Maréchal Foch. Aus dem ersten Jahrgang unter der Regie der Arbeitsintegration entstanden rund 1600 Flaschen Weisswein und 1300 Flaschen Rotwein. Der Weisswein 2025 ist seit Januar erhältlich, der Rotwein kommt im Januar 2027 in den Verkauf. Für den Jahrgang 2026 wird mit einem ähnlichen Ertrag gerechnet. Der neue Weisswein soll im Januar 2027, der Rotwein 2026 im Frühling 2028 erhältlich sein. Erhältlich sind die Weine über www.vomhoernliberg.ch . Im Café des Seemuseums wird der Solaris ausgeschenkt.

Bild Wümmet 1
Stefan Luginbühl, Leiter der Arbeitsintegration der Stadt Kreuzlingen, bei der Wümmet.
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Stefan Luginbühl, Leiter der Arbeitsintegration der Stadt Kreuzlingen, bei der Wümmet.