"Insgesamt muss man die Pilzsaison als schlecht bezeichnen"
Wie fällt Ihre Bilanz der Pilzsaison 2026 aus?
Nach einem August praktisch ohne Pilze gab es Anfang September ein kurzes lokales Zwischenhoch. Gerade im Bodenseegebiet sorgten Gewitter für einen Wachstumsschub, zunächst bei den Wiesenchampignons und anschliessend bei verschiedenen Röhrlingen. Während rund zwei Wochen stieg deshalb auch die Nachfrage bei der Pilzkontrolle an. Mitte September war dieses Zwischenhoch allerdings bereits wieder vorbei. Erst in der zweiten Oktoberwoche bemerkten wir einen weiteren Schub, diesmal bei holzbewohnenden Pilzen. Zur Kontrolle gebracht wurden vor allem essbare Hallimasche, aber auch zahlreiche giftige Schwefelköpfe.
Insgesamt muss man die Pilzsaison als schlecht bezeichnen. Besonders Pilzarten, die in Symbiose mit Bäumen leben, waren deutlich seltener als üblich. Das ist auf das heisse und trockene Wetter zurückzuführen. Den Bäumen fehlten Wasser und Nährstoffe, um die Pilze ausreichend zu versorgen. Die eigentlichen Pilze, die als Fadengeflechte im Boden leben, dürften dadurch kaum geschädigt worden sein. Allerdings war ihre Vermehrung durch die fehlenden Fruchtkörper eingeschränkt.
Wie wurde die Pilzkontrolle in Kreuzlingen in diesem Jahr genutzt?
Wir werden in diesem Jahr schätzungsweise deutlich weniger als 100 Kontrollen durchgeführt haben. Vergleicht man das mit unserem Rekordjahr 2022, als wir 328 Kontrollen verzeichneten, ist das natürlich extrem wenig. Trotzdem bleibt die Pilzkontrolle wichtig. Auch in diesem Jahr konnten wir wieder etliche giftige Pilze aussortieren und damit mögliche Vergiftungen verhindern.
Gab es aussergewöhnliche Funde oder besonders viele giftige Pilze?
Auffällig waren vor allem die Wiesenchampignons, Hallimasche und der kurze Wachstumsschub bei den Röhrlingen. Seltene oder besonders giftige Pilzarten wurden hingegen deutlich weniger häufig zur Kontrolle gebracht als in anderen Jahren. Aussergewöhnliche Funde gab es kaum.
Was möchten Sie den Pilzsammlerinnen und Pilzsammlern für die kommende Saison mit auf den Weg geben?
Die Fehler sind eigentlich jedes Jahr dieselben. Deshalb ist die Aufklärungsarbeit ein wichtiger Bestandteil unserer Pilzkontrolle. Ein grosses Problem ist das Sammeln in ungeeigneten Behältern, insbesondere in Plastiktüten. Bei warmem Wetter beginnen die Pilze darin zu schwitzen und verderben rasch. Eine der häufigsten Ursachen für Pilzvergiftungen sind alte, faulige oder verschimmelte Pilze. Das beste Sammelgefäss ist deshalb nach wie vor der klassische Weidenkorb. Ein weiterer Fehler ist, dass viele Sammlerinnen und Sammler sämtliche Pilze mitnehmen, unabhängig von deren Alter. Sehr junge und alte Pilze lassen sich häufig nicht sicher bestimmen und sollten deshalb stehen gelassen werden.
Problematisch ist auch, wenn grosse Mengen unbekannter Pilze gesammelt werden. Gerade bei Neulingen müssen wir oft zahlreiche ungeniessbare oder giftige Pilze aussortieren und entsorgen. Wer eine Pilzart nicht kennt, sollte lediglich zwei bis drei Exemplare zur Kontrolle mitbringen und sich die Bestimmungsmerkmale erklären lassen. So kann man etwas über Pilze lernen. Müssen wir hingegen grosse Mengen aussortieren, bleibt kaum Zeit für diese wichtige Aufklärungsarbeit. Wichtig ist ausserdem, die Pilze möglichst sauber zu sammeln. Blätter, Nadeln und Erde gehören in den Wald und nicht in den Sammelkorb. Bekannte und unbekannte Pilze sollten zudem getrennt aufbewahrt werden, beispielsweise in separaten Schälchen.

