Kreuzlingen - bewegte Geschichte

Historischer Einblick mit Bildern aus der baugeschichtlichen Dokumentation.

Kreuzlingen - bewegte Geschichte

Historischer Einblick mit Bildern aus der baugeschichtlichen Dokumentation und einer Übersicht der Gemeinderatsgeschäfte.
Aufnahme von 1905
Aufnahme 1955
Aufnahme um 1900
Historische Aufnahme

Im März 1987 übergab Hans Weltin seine wertvolle Fotosammlung mit rund 9'000 historischen Aufnahmen der Stadt Kreuzlingen. Sie zeugen von den Veränderung im Stadtbild von Kreuzlingen.

Die Sammlung wurde zuerst von alt Stadtschreiber Willi Dinkel, später von Arthur Leugger sowie von Thomas Brütsch und aktuell von Jörg Neuweiler gepflegt. Die Sammlung wird laufend ergänzt und kontinuierlich digitalisiert. 

  • Die drei Dörfer

    Die Stadt Kreuzlingen hat ihre Wurzeln in drei Dörfern, die am Fusse des Seerückens um die Einschnitte von Bachtobeln entstanden. 830 wurde Rihinbah (Kurzrickenbach) erstmals urkundlich erwähnt, 1125 folgte Eigolteshoven, 1159 Eminshoven. Inzwischen sind die Weiden und Rebberge zwischen den alten Dorfkernen mit Wohnquartieren und Industrie- und Gewerbebetrieben überbaut. Die alte Struktur der drei Dörfer hat sich in den Ortsbildern erhalten. Während Emmishofen mit seinen Schlössern und ehemaligen Landsitzen vornehm erscheint, dominieren in Egelshofen die Gewerbebauten und hat sich Kurzrickenbach im Kern seinen ländlichen Charakter bewahrt.

  • Stadt an der Grenze

    Nach der Eroberung durch die Eidgenossen 1460 wurde der Thurgau zum Grenzraum mit eigenen politischen Strukturen. Der Wiener Kongress von 1815 brachte eine Neuordnung für Europa, welche der Landesgrenze eine neue Bedeutung gab. 1818 entstand in Kreuzlingen das erste Wach- und Zollhaus. Der kleine klösterliche Marktflecken entwickelte sich zum Zoll- und Handelsplatz.

    Die Beziehung zur Stadt Konstanz, der Austausch von Waren, Arbeitskräften und Dienstleistungen über die Grenze haben für die Geschichte Kreuzlingens seit jeher grösste Bedeutung. Der Thurgau bildete das natürliche Hinterland für Konstanz. Die Thurgauer Milchbauern versorgten die Stadt mit ihren Produkten, während das Konstanzer Ladenangebot auf die Kundschaft aus den Schweizer Dörfern ausgerichtet war. Sie kaufte in Konstanz Werkzeuge, Haushaltsbedarf, Kleider und Schuhe, während die Konstanzer in Kreuzlingen günstig Brot, Mehl, Teigwaren, Zucker, Kaffee und Zigarren besorgten.

  • Aufschwung mit der Eisenbahn

    1871 und 1875 wurden die Bahnverbindungen nach Romanshorn und Etzwilen eingeweiht. Mit der Erschliessung durch die Eisenbahn und dem Bau der zwei Bahnhöfe erlebte Kreuzlingen einen Boom und die gesamte Region einen Aufschwung. Konstanz profitierte vom Schweizer Kapitalexport und Filialgründungen, Kreuzlingen von den Vorteilen der Grenzlage, den Arbeitskräften und Märkten. Das Ortsbild wandelte sich vom Dorf zur «Gartenstadt». In den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts entstand die Hauptstrasse zwischen dem Kloster, Egelshofen und Konstanz. 1862 erhielt die Hauptstrasse ihre erste Beleuchtung, 1872 wurde sie mit einem Trottoir zum «Boulevard» ausgebaut.

    Der Bau der Konstanzerstrasse zwischen Emmishofen und Konstanz bildete mit der Hauptstrasse ein Gebiet, das während des Aufschwungs mit Wohn- und Gewerbebauten besiedelt wurde. Als politische Folge der raschen Entwicklung wurde das mit Egelshofen vereinte Kreuzlingen 1874 anstelle von Gottlieben zum Bezirkshauptort. 1911 wurde unter finanzieller Beteiligung der Stadt Konstanz die Mittelthurgau-Bahn vollendet. Das Wachstum hielt bis zum Ersten Weltkrieg an.

  • Grenzschliessung und Folgen

    Die Schliessung der Grenze zu Beginn des Ersten Weltkriegs führte für Kreuzlingen und Emmishofen zur Unabhängigkeit von Konstanz und hatte wirtschaftliche Einbussen zur Folge. Die wirtschaftlichen Einschränkungen durch Handels- und Zollpolitik blieben nach dem Krieg bestehen. Viele Konstanzerinnen und Konstanzer hatten um die Jahrhundertwende Unternehmen in Kreuzlingen gegründet, manche wohnten hier und hatten in Schweizer Familien geheiratet.

    Für den Alltag der Kreuzlinger und Konstanzer Bevölkerung bedeutete die neuerliche Absperrung der Grenze im Zweiten Weltkrieg einen scharfen Einschnitt. Ein Grenzzaun mit Stacheldraht trennte die beiden Städte. Kontakte zu Verwandten und Freunden waren jahrelang nicht möglich.

  • Normalisierung und Hochkonjunktur

    Die Grenzschliessung während der Kriege führte langfristig zu einer Entfremdung zwischen den Menschen. 1946 gab es zwar Nothilfe-Aktionen in Kreuzlingen für die hungerleidenden Nachbarn. Auf die Dauer überwog jedoch das Misstrauen gegenüber Deutschland und insbesondere Konstanz mit seinem Vergnügungsviertel und Spielcasino.

    Die Lage an der Grenze war vorübergehend Standortnachteil. Der unmittelbaren Nachkriegszeit folgte 1960 bis 1975 die Hochkonjunktur, die das Ortsbild von Kreuzlingen wesentlich veränderte. Zahlreiche Neubauten entstanden. Im Bildungssektor hatte Kreuzlingen seit der Gründung des Lehrerseminars 1833 kantonale Bedeutung. Bereits 1893 kam eine Gewerbeschule hinzu. Seit der Gründung der Kantonsschule 1969 war das Angebot an weiterführenden Schulen vollständig. Mit der Gründung der Pädagogischen Hochschule wurde Kreuzlingen 2003 zur ersten Hochschulstadt im Kanton Thurgau.

  • Eigene Identität entwickeln

    Die Zukunft Kreuzlingens wird geprägt sein von der Entwicklung der eigenen Identität, wozu auch die Integration der grossen ausländischen Einwohnerschaft gehört, der Partnerschaft mit Konstanz, der Bedeutung der Grenze im Zuge der EU-Politik der Schweiz und von der Bewältigung der verkehrs- und ortsplanerischen Aufgaben. Die Autobahn A7 mit dem Girsbergtunnel bringt Kreuzlingen wirtschaftliche Vorteile: Sie schafft noch engere Verbindungen mit dem Grossaum Zürich. Kehrseite der Medaille sind die Probleme, die der zunehmende Verkehr aufwirft und die Gefahr der Zersiedelung der attraktiven Bodenseelandschaft. Die überdurchschnittliche Lebensqualität ist und bleibt ein grosser Standortvorteil von Kreuzlingen. Hier lässt es sich gut leben und arbeiten! 

  • «Kreuzlingen – Kinder, Konsum und Karrieren 1874-2000»

    Das Buch «Kreuzlingen – Kinder, Konsum und Karrieren 1874-2000» wurde von einem Team junger Historikerinnen und Historiker aus der Region unter der Leitung von Dr. Monica Rüthers, Bottighofen, verfasst. Es ist bei der Stadt Kreuzlingen via E-Mail oder im Buchhandel erhältlich. Wolfau-Druck, Weinfelden, 2001, 288 Seiten, 233 Bilder, ISBN 3-85809-124-3.

Spannende Geschäfte des Gemeinderats 1946 bis 2021
Spannende Geschäfte des Gemeinderats 1946 bis 2021

Lokalhistoriker Georg Strasser hat für die Stadt relevante Geschäfte zusammengetragen.